Mehr Hamburg geht nicht

Seine herrliche Elblage, die sehr gute Küche und die lockere Stimmung an Bord machen das Restaurant Engel seit Jahren zum Dauerbrenner.
Sieht nicht nur zum Reinbeißen aus, sondern entfaltet auch seine ganzen Aromen: Seeteufelfilet mit Balsamicolinsen, kleinem Gemüse und Safransud.
Welch bemerkenswerte Qualität auch die kleinste Kombüse hervorbringen kann, beweist Küchenchef Tarik Rose jeden Tag aufs Neue.

"Großes Kino auf der Elbe" kann erleben, wer den Weg an den Fähranleger Teufelsbrück im Stadtteil Othmarschen nicht scheut. Hier, vis-a-vis des Airbus-Werks, liegt das schwimmende Restaurant Engel vor Anker, das von Inhaber Oluf Redlefsen 1994 auf einem Ponton an der Landeanlage einer spontanen Idee zufolge realisiert wurde. Eine sehr gute Idee, wie sich erwies, denn für die Hamburger und ihre Gäste gibt es nichts Schöneres als an oder auf ihrer Elbe zu sitzen. Seinen hohen Bekanntheitsgrad verdankt das Engel Sternekoch und Restauranttester Christian Rach, der das Schiffsrestaurant von 1997 bis 2007 auf seinem Erfolgsweg begleitete.

 

Vor einem Jahr dann hat Tarik Rose, der zuvor bereits vier Jahre lang im Engel Küchenchef war, endgültig das kulinarische Zepter übernommen. Während er mit seinem kleinen, bestens eingespielten Team, in der winzigen Kombüse Großes zaubert, sitzen die Gäste wie im Glashaus an fein eingedeckten Tischen in der ersten Reihe und können den Lotsen beim Wechsel zusehen oder die großen Pötte beim Vorbeifahren bestaunen. Roses Zubereitungen lassen das Handwerk durchblicken, man sieht den aufwändig angerichteten Tellern die Produktqualität an und schmeckt diese auch. Wie gemalt kommt die Paté von der Gänseleber mit Valrhona-Schokolade und hausgemachtem Brioche daher, von intensivem Aroma ist die Pastinaken-Birnensuppe mit geräucherter Entenbrust. Eine ganz neue Geschmackswelt tut sich bei dem in Anismilch pochierten Kabeljau mit sautiertem Pack-Choy und Mango-Basmatireis auf, vorzüglich auch die rosa gebratene Rehnuss mit Quitten, confiertem Sellerie und Maronenpüree. Einfach unwiderstehlich lecker schmecken die hausgemachten Topfen-Schupfnudeln mit Mohnschmelz, Vanilleeis und marinierten Orangen (Kalorienzählen verboten!).

 

Mittags serviert der ebenso lockere wie kompetente Engel-Service ein täglich wechselndes 3-Gänge-Menü, inklusive einem halben Liter Wasser und einem Kaffee nach Wahl für ganze 23,00 Euro. Da kann man nicht meckern. Und wer Kuchen und Torten liebt kommt auch auf seine Kosten. Dass diese hausgemacht sind, versteht sich von selbst. Wer es etwas rustikaler mag oder nur Appetit auf einen kleinen Snack verspürt, dem kommt der Engel Imbiss gerade recht, der sich im Parterre des Ponton-Restaurants befindet. Und wenn es mal was zu feiern gibt, dann wird der Engel in exponierter Lage auch gerne vermietet.

 

A LA CARTE, 2008

© Klocke Verlag, Gundula Luig-Runge