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»Ich koche gern am Limit«

Tarik Rose, Chefkoch des Restaurants »Engel« auf der Landeanlage Teufelsbrück, überlegt einen Moment bei der Frage, was das Besondere an seiner Küche sei. Während die Fähre mit sanftem Ruck anlegt und der Ponton, auf dem das Restaurant thront, leicht ins Schwanken gerät, sagt er: »Es ist das Gesamtkonzept »Engel«, das uns von anderen abhebt.«

Ungeachtet der Devise, »ein Restaurant mit Herz« sein zu wollen, prägt das ausgewogene Verhältnis zwischen Fisch und Fleisch, feiner Küche und Hausmannskost, Raffinesse und Bodenständigkeit das »Engel«. »Experimentell sind wir nicht, aber doch schon mal kühner und kreativer als andere«, beschreibt Rose seine französisch inspirierte Küche. »Sie ist ehrlich, klar und intensiv im Aroma.« Klar und ehrlich sind die Gerichte durch Zubereitung und Qualität ihrer Produkte. Klar und ehrlich ist ihre Beschreibung in der Speisekarte.

 

Ehrlich sind auch die Portionen, bei denen sich das saftig auf den Punkt gebratene Zandermedaillon nicht an einem Häufchen Balsamicolinsen verliert. »Wir setzen immer mehr darauf, auf bestimmte Sättigungsbeilagen zu verzichten. Dafür gibt es bei uns größere Portionen Fisch oder Fleisch«, bestätigt Tarik Rose das, was sich offenkundig auf dem Teller zeigt.

 

»Wie bei Muttern. Nur besser!«

 

Wenn es nicht so abgedroschen klänge, ließe sich sagen, Tarik Rose kocht wie bei Muttern – aber auf höchstem Niveau. Er pflegt eine klassische Küche, modern interpretiert zwar, aber eben doch wie zuhause bei seiner Familie in Kiel, wo er geboren wurde und wo grundsätzlich nur beste und frische Produkte verwendet wurden. Das hat ihn geprägt, neben dem sinnlichen Vorgang des Kochens, selbst wenn es »nur« um einen kräftig geschmorten Braten ging.

So ist es nur folgerichtig, dass Edelfische wie Seeteufel, Steinbutt, Zander oder wilde Doraden selbstverständlich angeboten werden, aber auch deftige Schmorgerichte wie Ochsenbäckchen und Kalbsbrust, Wild aus heimischer Region, Enten und Gänse, die auf Bestellung ebenso wie der Fisch auch im ganzen serviert werden. Die Bouillabaisse, deren kräftiges Aroma verrät, dass Krustentiere enthalten sind, ist so rund und intensiv im Geschmack, dass sich ein Nachwürzen, wie eigentlich bei allen Gerichten, verbietet. Wer es dennoch tut, ohne vorher zu kosten, wird bestraft. »Dann kann’s gruselig werden«, lacht Rose. »Ich koche gern am Limit. Vielleicht liegt das an meinen Wurzeln.«

 

Mehr zu lesen gibt es im Kochbuch "Butter bei die Fische"